Komprimierte Erfahrung

Einer der besten Hypnotiseure des letzen Jahrunderts war mit Sicherheit Dave Elman (1900 – 1967). Ursprünglich Showhypnotiseur, hat er viele Jahre Ärzte und Zahnärzte in seiner Form der Hypnose ausgebildet.  Hierbei hat er seine Erfahrung auf der Bühne wunderbar auf den Alltag eines typischen Mediziners übertragen. Häufig genug meinte er “Wenn Hypnose in der Praxis eins Arztes Bestand haben soll, darf sie nicht mehr als eine Minute in Anspruch nehmen!”. Und es ist so, dass mit seinen Methoden innerhalb kürzester Zeit tiefste Trancen möglich sind. Die Frage, ob schneller in Trance auch besser ist, beantworte ich in einem späteren Beitrag.

Neben seinen beeindruckend schnellen Induktionen war er auch ein Meister der hypnotischen Anästhesie, d.h. der kompletten Schmerzausschaltung. Nach den Unterlagen, die mir zur Verfügung stehen, gehe ich davon aus, dass ihm dieses Thema besonders wichtig war.

Doch am meisten begeistert mich, auf welche elegante Art und Weise er seine Erfahrung komprimieren konnte. Alleine seine berühmte “Dave Elman”-Induktion: Sie erscheint auf den ersten Bilck recht einfach – was sie auch ist. Doch in ihr sind sehr viele Prinzipien der Hypnose explizit und auch implizit vorhanden. Sie kommt mir vor, wie ein hypnotisches ZIP-File.
Betrachten wir z.B. seine Augenschluss-Suggestion:

Schließ die Augen und entspanne die Muskeln um deinen Augen so weit, dass du sicher bist, das sie nicht mehr funktionieren. Wenn du sicher bist, dass sie nicht mehr funktionieren, dann teste, dass sie nicht mehr funktionieren. Teste so, dass du sicher bist.

Bitte denk einfach mal eine kurze Zeit über die Bedeutung der Worte nach und lies erst dann weiter.

Das erste was mir daran auffällt, ist das paradoxe Sprachmuster “Wenn du sicher bist, dass sie nicht mehr funktionieren, dann teste, dass sie nicht mehr funktionieren.
Das hat mehrere Implikationen. Wenn ein Klient diese Suggestion umsetzt, ist bereits eine Augenkatalepsie erreicht. Was je nach Hypnoseskala schon eine gewisse Trancetiefe erfordert. Wenn der Klient jedoch die Augen öffnet, dann hatte er die Augenlider nicht weit genug entspannt, was ein deutliches Zeichen für mangelnden Rapport ist. Meist existiert noch irgendeine Angst vor Hypnose oder der Klient will beweisen, dass es bei ihm nicht funktioniert. Der Test auf Rapport ist somit auf elegante Art und Weise eingebaut. Wichtig hierbei ist: Der Klient muss wirklich testen. Hier ist Beobachtungsgabe vonnöten. Es ist sichtbar, ob ein Klient wirklich die Augenlider testet oder nur so tut. Man erkennt dies am Zucken der Augenlider.

Es ist wertvoll nur diesen Augenschluss immer und immer wieder zu üben. Er bildet eine wunderbare Basis zur weiteren Arbeit und schult mehrere Aspekte der direkten Hypnose.

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